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Maßnahmen zur Stützung von Äsche und Nase in der oberen Lahn (Action A 9, C 7B und D 4) - abgeschlossen

Die obere Lahn mit ihren Kiesbänken ist ökologisch der sogenannten „Äschenregion“ zuzuordnen. Die Äsche als namensgebende, typische Leitfischart dieser Fischregion, kommt hier jedoch immer seltener vor. Eine andere typische Fischart der Äschenregion, die mit ihrer markanten "Knollen-Nase“ unverwechselbar ist, die Nase, war sogar seit den 1960er Jahren in der oberen Lahn ausgestorben. Versuche zur Wiederansiedelung der Nase blieben lange ohne Erfolg.

Sowohl Äsche als auch Nase laichen im kiesigen Substrat des Gewässerbodens, wo sich die Eier zu Larven entwickeln. In diesem Stadium sind sie sehr empfindlich gegenüber Verschlammung und Schadstoffbelastung des Kiesbetts. Doch auch die Jungfische und erwachsenen Tiere beider Arten haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. In der oberen Lahn sind solche naturnahen Strukturen selten, und die mangelnde Durchwanderbarkeit des Gewässers sowie das verstärkte Auftreten des fischfressenden Kormorans machen den Beständen der Fischarten zu schaffen.

Im Rahmen des LIFE-Projektes wurden in den Jahren 2017 bis 2021 umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Belastungsfaktoren für die beiden Zielarten zu erforschen. Physikalisch-chemische Messungen im Kiesbett gaben Aufschluss über die Bedingungen für die frühen Stadien von Eiern und Fischlarven, und damit die Qualität der Laichplätze. Auch die Lebensräume der aufgeschwommenen Larven und Jungfische wurden untersucht, um mögliche Mängel an geeigneten Lebensräumen für die Jungstadien zu erkennen. Schließlich wurde auch der Einfluss des Kormorans während der Wintermonate auf die Bestände der größeren Tiere systematisch untersucht.

Um den Fischen in der oberen Lahn bessere Lebensbedingungen zu bieten, wurden in den letzten fünf Jahren umfangreiche Strukturierungsmaßnahmen an mehreren Stellen in der Lahn von Biedenkopf bis Marburg durchgeführt. Dabei wurde etwa die Uferbefestigung an geeigneten Stellen rückgebaut, um dem Fluss mehr natürliche Eigenentwicklung zu ermöglichen, für Jungfische wurden Ufer abgeflacht und Buchten angelegt, und es wurden tiefe Kuhlen gefördert, die auch großen Fischen Deckung und eine ausreichende Tiefe als Winterhabitat bieten.

Für die Wiederansiedlung der Nase wurden im Vorfeld des LiLa-Projektes genetisch geeignete Nasenpopulationen aus der Region gesucht und schließlich in der mittleren Lahn bei Runkel gefunden. Die Nachkommen dort gefangener Elterntiere wurden jeweils im Frühjahr in einer Vogelsberger Fischzuchtanlage erbrütet, bis zu einer geeigneten Größe herangezogen und an ausgesuchten stellen im Projektgebiet in die Freiheit entlassen. Die mehrmals jährlich durchgeführten Probebefischungen zeigten, dass sich die besetzten Nasen nicht nur in der oberen Lahn gehalten haben, sondern bereits vereinzelt für Nachwuchs gesorgt haben. Auch die Äschenpopulation wurde durch Besatzmaßnahmen aus geeigneter genetischer Herkunft gestützt.

Von den Renaturierungsmaßnahmen zur Förderung einer positiven Entwicklung der Äschen- und Nasenbestände sollten auch zahlreiche weitere Arten der natürlichen Fischfauna der oberen Lahn profitieren. Bei einer Fortführung von Maßnahmen zur Abmilderung weiterhin bestehender Belastungsfaktoren für die Fischfauna besteht Hoffnung, dass in einigen Jahren auf bestandstützende Besatzmaßnahmen ganz verzichtet werden kann.

 

 

 

Äschen beim Laichgeschäft
Äschen beim Laichgeschäft. Ist das Kieslückensystem verstopft, kann sich der Nachwuchs nicht entwickeln. Foto: A. Hartl