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Entwicklung einer Flutmulde bei Lahnau-Atzbach (Action C.14)

Das ganze Jahr über ein Paradies für Brut- und Zugvögel

Gießen/Lahnau. Ob der Eisvogel schon mal geschaut hat, wo er im Frühjahr brüten kann? Den auffälligen Tieren mit dem leuchtend blauen Rücken dürfte es jetzt noch besser in der Lahnaue bei Atzbach gefallen. Hier wurde mit Fördergeldern des LiLa-Projekts nicht nur eine Flutmulde angelegt, sondern auch die Struktur am Lahnufer verbessert. Unter anderem wurden schräge und steile Uferböschungen – und damit ideale Brutplätze für Eisvögel oder Uferschwalben – geschaffen. 

Vor allem Rast- und Zugvögel, insbesondere Watvögel wie Bekassinen und Regenpfeiferarten, Silberreiher, zahlreiche Enten- und Gänsearten und eben die Eisvögel sind es, die von den Maßnahmen in der Lahnaue profitieren sollen. Aber auch Amphibien, beispielsweise Kammmolch und Kreuzkröte, kommen nicht zu kurz. Für das Projekt haben sich im Regierungspräsidium Gießen die Dezernate Oberirdische Gewässer/Hochwasserschutz und das Naturschutzdezernat, das sich unter anderem um Schutzgebiete kümmert, zusammengetan.

Im Zuge der Arbeiten wurde eine bereits vorhandene Geländemulde vertieft und erweitert. Rund 4.000 Kubikmeter Erde wurden dabei abgetragen. Über die teilweise Verwertung des hochwertigen Oberbodens aus der Aue freuten sich Landwirte aus Lahnau, die ihn auf ihren Äckern verteilten. Gespeist wird die Flutmulde, wenn der Wasserstand der Lahn entsprechend hoch ist. Das Wasser bleibt dann auch in den Phasen, in denen es wieder abtrocknet, länger stehen und schafft somit weitere wichtige Habitate, sodass die Lahnaue unter anderem ein noch besseres Rastgebiet für Vögel wird. Die Flutmulde trägt außerdem dazu bei, Hochwasserereignisse zu dämpfen, indem sie bis zu 4.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Und noch einen Vorteil gibt es jetzt, nachdem die Arbeiten an Flutmulde und Lahn abgeschlossen sind: Die Fläche wird künftig nicht mehr gemäht, sondern beweidet. Das bedeutet z.B., dass der Große Wiesenknopf besser wachsen und sich verbreiten kann. Er ist die Futterpflanze des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, einer streng geschützten Schmetterlingsart, welche bereits in der Nähe gefunden wurde.

Neben der Mulde, direkt an der Lahn, hat sich auch viel getan. An fünf Stellen wurden Steine der Uferbefestigung abgetragen. So entstanden Einkerbungen, wo das Wasser langsamer fließt, und zwei kleine Inseln. An der einen Seite der Inseln fließt das Wasser schneller vorbei, an der an  deren wegen der kleinen Biegung deutlich langsamer. Durch die Verringerung der Fließgeschwindigkeit kann sich hinter den Inseln Geschiebe ablagern, was langfristig eine Verringerung der Fließtiefe begünstigen kann. Das ist zum Beispiel für Fische gut, die laichen wollen, und auch Libellen können sich hier fortpflanzen. Durch die Abtragungen entstand außerdem eine beruhigte Zone, wo beispielsweise Teichhühner brüten können. Diese Initialmaßnahmen direkt an der Lahn tragen zur langfristigen Verbesserung des ökologischen Zustands dieses Lahnabschnitts bei. Sie erfüllen sowohl die Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie als auch des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Rund um die Flutmulde wurde bereits eingesät, den Rest übernimmt nach und nach Mutter Natur. Das Schilf wird sich weiter ausbreiten und andere Pflanzen auch. Damit das geschehen kann und vor allem die Tiere ihre Ruhe haben, appelliert das Naturschutzdezernat an die Bürger, die Flächen nicht zu betreten, auf den Wegen zu bleiben und die Tiere aus der Ferne zu beobachten.

Flurneuordnung im Schutzgebiet

Im Juni 2020 wurde in Teilen der Kommunen Heuchelheim, Lahnau und Wetzlar ein Flurneuordnungsverfahren eingeleitet, um drohende Nutzungskonflikte aufzulösen und Maßnahmen zu Gewässerentwicklung und Naturschutz mit einer Verbesserung der Agrarstruktur im Projektgebiet in Einklang zu bringen.

Die Planungen von weiteren Einzelmaßnahmen wurden 2022 beauftragt. Die Umsetzung wird in den nächsten Jahren erfolgen und durch Mittel des Integrierten Klimaschutzplanes Hessen (IKSP) und Fördermittel des Bundes für den ländlichen Raum (GAK-Mittel) finanziert.

Natura 2000-Gebiet Lahnaue zwischen Atzbach und Gießen
Vogelschutzgebiet (rot) und überlappendes FFH-Gebiet (grün) "Lahnaue zwischen Atzbach und Gießen. Quelle: WRRL-Viewer
Fläche vor Baubeginn
Fläche vor Baubeginn (Luftbild: RPGI)
Flutmulde nach Fertigstellung Dezember 2025
Flutmulde nach Fertigstellung Dezember 2025 (Luftbild: RP Gießen)
Flutmulde nach Hochwasser Februar 2026
Flutmulde nach Hochwasser Februar 2026 (Luftbild: RPGI)