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Ökologische Aufwertung der Schleuseninsel Fürfurt und Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Action A 6, C 9 und E 9 - laufend)

Fürfurt, ein Ortsteil der Gemeinde Weinbach, liegt am linken Ufer der oberen Lahn in Hessen bei Lahn-km 51,200. Die Staustufe wurde 1856 bis 1859 im Zuge des Lahnausbaus für die Schifffahrt errichtet. Die vorhandenen Fischtreppen aus Lahn-Marmor sind nach heutigem Kenntnisstand für die meisten Fischarten sowie Kleinlebewesen unpassierbar. In enger Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Mosel-Saar-Lahn verschiedene Varianten zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an der Staustufe Fürfurt untersucht. Unter Berücksichtigung u.a. der Wasserkraftnutzung hatte sich bei einer Voruntersuchung als insgesamt bestmögliche Alternative zunächst ein gewässerbreites fischpassierbares Raugerinne mit Beckenstruktur herauskristallisiert. Auf Herausforderungen bei der weiteren Planung wurde hingewiesen.

Ende Januar 2024 wurde ein Ingenieurbüro damit beauftragt, das bis dahin vorgesehene Raugerinne im Detail zu planen. Im Rahmen dessen starteten im März 2024 auch die Vermessungen der Schleuseninsel und der geplanten Zuwegung zur Baustelle. Zudem fanden 2025 die floristischen und faunistischen Kartierungen für die natur- und artenschutzrechtlichen Fachgutachten statt. Bei näherer Betrachtung des bisher vorgesehenen Raugerinnes durch das Ingenieurbüro stellte sich heraus, dass dieses unter den örtlichen Randbedingungen und den eng definierten Planungsanforderungen nicht umsetzbar wäre. Insbesondere könnten die Anforderungen an Hochwasserschutz, Schifffahrt, Wasserkraftanlagenbetrieb und ökologische Durchgängigkeit nicht gleichzeitig erfüllt werden. Andere Alternativen, wie z.B. ein technischer Schlitzpass oder ein Umgehungsgerinne wurden bereits zuvor intensiv beleuchtet und stellen sich ebenfalls als nicht zielführend dar. 

Auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kommt das WSA Mosel-Saar-Lahn zu dem Schluss, dass sich der Wehrrückbau insbesondere unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes als alternativlos darstellt. Daher wird es seinen Fokus nun auf die Untersuchung des Wehrrückbaus legen. Unterstützt wird diese Entscheidung auch durch das allgemeine Ziel des Lahnkonzeptes, mehr freifließende Strecken an der Lahn zu schaffen. Dieses wurde von mehreren Interessengruppen (AGs/Bürgerforum/Land/Bund) in das Zielsystem eingebracht bzw. von den meisten Interessengruppen grundsätzlich befürwortet. 

Neben dem mindestens partiellen Wehrrückbau sind weitere Begleitmaßnahmen vorzusehen, wie beispielsweise die Anlage unterschiedlich geneigter, unbefestigter Ufer mit Flachwasserbereichen, Kiesbänken und -inseln sowie die Entwicklung typischer Lebensräume, wie Schwimmblattzonen, Röhrichte, feuchte Hochstaudenfluren, Ufergehölze und Auwälder. Dadurch trägt die Maßnahme neben der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit zur Verbesserung der Gewässerstruktur und Wasserqualität, der Erhöhung der biologischen Vielfalt und dem Klimaschutz bei. Dazu sind weitere Untersuchungen, z.B. zum Grundwasser, durchzuführen.

Öffentlichkeitsbeteiligung

Im April 2023 fanden drei Veranstaltungen zur Präsentation des damaligen Planungsstandes zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit am Wehr Fürfurt im Dorfgemeinschaftshaus Fürfurt statt. Eingeladen waren insgesamt rund 30 Vertreter/-innen der betroffenen Kommunen, Behörden, Vereine und Anlieger. Daneben bestand von Beginn an ein reger Austausch mit der Wasserkraftanlagenbetreiberin.

Aufgrund der kontroversen Diskussion des Wehrrückbaus an der Lahn ist auch über das LiLa-Projekt hinaus eine stetige Information der Öffentlichkeit zum Projekt geplant. Insbesondere die Wasserkraftanlagenbetreiberin, die Denkmalschutzbehörden und die Kommune werden weiterhin eng in den weiteren Prozess eingebunden.

Doppelwehr Fürfurt (Lahn), Quelle: Svenja Kleinz
Doppelwehr Fürfurt (Lahn), Quelle: Svenja Kleinz
Oberes Wehr Fürfurt mit Fischtreppe; Quelle: Michael Schröder
Oberes Wehr Fürfurt mit Fischtreppe; Quelle: Michael Schröder
Ortsbesichtigung der Vereinsvertreter; Quelle: Michael Schröder
Ortsbesichtigung der Vereinsvertreter; Quelle: Michael Schröder