DE | EN

Das Lahnkonzept (Action A 1)

Aktualisiert 20.03.2019: Diskussionspapier "Wirkungszusammenhänge und Möglichkeiten einer Staulegung an der Lahn"

Eine Staulegung, also der Rückbau von Wehren, ist für die Gewässerentwicklung ein sehr zentrales und für viele Menschen auch ein emotionales Thema. Manche sehen in der Staulegung die einmalige Chance, ein Gewässer wieder in einen natürlichen oder zumindest naturnahen Zustand zurückzuversetzen. Wanderfische wie zum Beispiel der Lachs könnten wieder ungehindert die Lahn hinaufschwimmen und auch weitere positive Effekte u.a. für die Wasserqualität wären zu erwarten. Bei anderen weckt schon die Erwähnung des Themas Sorgen und Existenzängste. Für manch einen dient die eigene Kleinwasserkraftanlage als Altersvorsorge, die Ausübung des Berufes ist von der Schiffbarkeit der Lahn abhängig oder die von den Wehren und Schleusen geprägte Kulturlandschaft ist Bestandteil des Heimatgefühls. Das WSA Koblenz hat deshalb gemeinsam mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde und in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus Hessen und Rheinland-Pfalz ein Diskussionspapier erarbeitet, welches die Wirkungszusammenhänge und Möglichkeiten einer Staulegung an der Lahn abschätzt. Ziel ist es, die anstehenden Diskussionen zu versachlichen. Hierfür wurden umfangreiche Daten zusammengetragen, jede der 29 Staustufen zwischen Gießen und Lahnstein einzeln betrachtet und in einem ersten Schritt jeweils die zu erwartenden Auswirkungen auf Ökologie und Umwelt sowie auf die bestehenden Nutzungen abgeschätzt. Welche Vorteile ergeben sich beispielsweise für die Fische in der Lahn? Wie würde sich die Vegetation am Ufer und in der Aue verändern? Was würde mit vorhandenen Biotopen passieren? Welchen Einfluss hätte ein Rückbau von Wehren auf den Hochwasserabfluss? Wäre noch Schifffahrt möglich? Wären Probleme bei der angrenzenden Bebauung zu erwarten? Welche Auswirkungen hätte ein Wehrrückbau auf die Wasserkraftnutzung, die Landwirtschaft oder die Trinkwassergewinnung in der Aue? Gibt es Staustufen, bei denen ein Rückbau tendenziell wahrscheinlicher ist als an anderen? Diese und weitere Fragen werden im Diskussionspapier behandelt.   

Am 19. März 2019 wurde das Diskussionspapier in der 2. Sitzung des Beratergremiums vorgestellt. Dieses Gremium setzt sich aus 14 Verbandsvertreter/innen verschiedenster Interessengruppen, acht Kommunalvertreter/innen und zwei Bürgerbotschaftern zusammen und berät das WSA Koblenz bei der Erarbeitung des Lahnkonzeptes. Das vollständige Diskussionspapier ist öffentlich unter folgendem Link einsehbar: http://www.wsa-koblenz.wsv.de/wasserstrassen/lila/index.html

Aktualisiert 19.12.2018: Dokumentation des "Bürgerforums Zukunft Lahn" am 17.11.2018

Am 17. November 2018 folgten 57 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus dem Lahntal der Einladung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Koblenz zum "Bürgerforum Zukunft Lahn" in Limburg. Sie alle waren zufällig per Post und Telefon vom Sozialforschungsinstitut der Universität Bamberg, BACES, im Zeitraum von September bis November 2018 nach Kriterien wie Alter, Geschlecht, Bildung und regionale Verteilung angesprochen und eingeladen worden. Als Querschnitt der Lahnbewohner gibt das "Bürgerforum Zukunft Lahn" den Bürgerinnen und Bürgern im Lahntal eine wichtige Stimme bei der Erarbeitung des Lahnkonzeptes, mit welchem im gesamtgesellschaftlichen Konsens die Zukunft der Wasserstraße Lahn entwickelt werden soll. Mit erneuter Unterstützung der neutralen Moderation durch IKU_Die Dialoggestalter diskutierten die Bürger/innen bei guter Stimmung und in respektvoller, konstruktiver Zusammenarbeit ihre eigenen Vorstellungen zur Zukunft der Lahn. Insgesamt haben sie 18 Ziele in sechs Themenfeldern formuliert und gemeinsam nach Wichtigkeit bewertet. Die gesammelten Ergebnisse des Bürgerforums werden in dem nebenstehenden Bürgerreport als Zielepapier "Bürgerforum Zukunft Lahn" veröffentlicht. Dieses steht als zusätzliches, gleichgestelltes Zielepapier neben den bereits erstellten Zielepapieren der Themengruppen, der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie des Bundes. Zudem wurden zwei Bürgerbotschafter/innen durch das Bürgerforum gewählt, die das Zielepapier in den weiteren Beteiligungsprozess einbringen werden.

Aktualisiert 19.07.2018: Ein wichtiger Grundstein für die weitere Projektarbeit ist gelegt!

Am 09. Juni 2018 kamen gut 100 Personen zur Abschlussveranstaltung für die Interessenerhebungsphase in die Marienschule nach Limburg. Dort stellten die acht Themen-AGs, die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie der Bund ihre in den letzten Monaten erarbeiteten Zielepapiere erstmals den anderen Gruppen und der Öffentlichkeit vor. In einem Infomarkt konnten sich die Teilnehmenden mit den Zielepapieren vertraut machen und sich zu den Inhalten austauschen. Es wurde deutlich, dass der laufende Prozess zur Erarbeitung des Lahnkonzeptes von vielen Seiten sehr positiv gesehen wird. Auch wurde mehrfach hervorgehoben, wie wichtig ein interessenübergreifender Dialog ist, wie er aktuell im Rahmen des LiLa-Projektes stattfindet. Nur im respektvollen Miteinander können Hindernisse überwunden und Missverständnisse ausgeräumt werden. Der Grundstein für die nun folgende Erarbeitung des GEMEINSAMEN Zielsystems für die Wasserstraße Lahn ist somit gelegt. Jetzt gilt es, die bestehenden Synergien zu nutzen und gute Kompromisse für Konfliktfelder zu finden. Nebenstehend finden Sie die Dokumentation der Abschlussveranstaltung zur Interessenerhebung sowie zu den Themen-AGs und den verschiedenen Zielepapieren. Unter "Service / Bilder" steht Ihnen auch eine Bildergalerie mit Fotos der Veranstaltung zur Verfügung.

Die Öffentlichkeitsbeteiligung zur Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für die Lahn ist im September 2017 gestartet!

Bei den Auftaktworkshops am 16.09.2017 in Gießen, 23.09.2017 in Limburg und 30.09.2017 in Bad Ems waren rund 150 Interessierte der Einladung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Koblenz gefolgt, um sich gemeinsam zur Zukunft der Lahn auszutauschen. Mit dabei waren Vertreter von Städten, Landkreisen und Kommunen, Fachverwaltungen, Wirtschaft, Verbänden und Vereinen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Schwerpunkt der drei inhaltsgleichen Workshops bildete nach einer kurzen Projektinformation und dem Kennenlernen der Akteure das Erarbeiten von Ideen für eine Verbesserung der Lahn. In wechselnden Kleingruppen wurden dabei über die Themengebiete Natur und Ökologie, Angelfischerei, Land-/Forstwirtschaft und Jagd, Wasserwirtschaft, motorisierte und muskelbetriebene Schifffahrt, Naherholung und Tourismus sowie Kommunale Entwicklung und Flächenplanung diskutiert und gemeinsam Ideen gesammelt. Chancen aber auch Konfliktfelder wurden erörtert und dokumentiert. Über 100 Vorschläge und zahlreiche weitere Ideen konnten durch die Teilnehmer der Workshops entwickelt werden. Die Diskussionen verliefen auch bei ganz unterschiedlichen Interessen fair und konstruktiv - getreu dem Grundsatz, dass es nur eine Lahn gibt und nur eine gute Zusammenarbeit positive Lösungen für alle Interessengruppen ermöglicht. Der mit den Auftaktworkshops begonnene Dialogprozess, die Erarbeitung des Lahnkonzeptes und auch das Format der Veranstaltungen wurden von den Beteiligten sehr positiv gesehen. Die Ergebnisse aller drei Workshops können Sie den nebenstehenden Dokumenten entnehmen. Eine Bildergalerie der drei Veranstaltungen steht Ihnen auf dieser Webseite unter "Service -> Bilder" zur Verfügung.

Mitte Oktober wurden insgesamt acht themenbezogene Arbeitsgruppen mit fast 100 freiwilligen Teilnehmern/Innen der Workshops eingerichtet. In jeweils drei Sitzungen haben die verschiedenen Interessengruppen ihre Ziele für die zukünftige Entwicklung der Lahn formuliert und diese schriftlich an das WSA Koblenz weitergegeben. Daneben haben auch der Bund und die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz ihre Ziele formuliert. Diese Zielepapiere werden auf der Abschlussveranstaltung zur Interessenerhebung am 09. Juni 2018 in Limburg erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ergebnisse und Zielepapiere werden im Anschluss an die Veranstaltung auf dieser Webseite veröffentlicht.

Im weiteren Projektverlauf soll ein gemeinsames Zielsystem für die zukünftige Entwicklung der Lahn entwickelt und möglichst ein Ausgleich zwischen den konträren Nutzungen und Konfliktthemen geschaffen werden. Weitere Dialogformate und Öffentlichkeitsveranstaltungen werden hierfür folgen.

Allgemeine Informationen zur Erarbeitung des Lahnkonzeptes

Die Kernmaßnahme des WSA Koblenz bildet das Lahnkonzept. Es dient der Entscheidungsfindung für die zukünftige Nutzung und Unterhaltung der Bundeswasserstraße Lahn auf einer Länge von ca. 148 km vom Badenburger Wehr bei Gießen (km - 11,075) bis zur Mündung in den Rhein bei Lahnstein (km 137,300). Bereits seit 1981 wird die Lahn nicht mehr für den Güterverkehr genutzt. Die baulichen Anlagen befinden sich zum Teil in einem schlechten Zustand, sodass teilweise dringender Handlungsbedarf besteht.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) steht in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, die zukünftige Ausrichtung von insgesamt rund 2.800 km Nebenwasserstraßen zu überdenken, die aufgrund veränderter Transportströme und Schiffsgrößen ihre Bedeutung für den Güterverkehr verloren haben und überwiegend touristisch genutzt werden. Hierfür müssen entsprechende Entwicklungskonzepte erarbeitet werden. Die Erstellung eines Lahnkonzeptes besitzt für die WSV Pilotcharakter, da ein nachhaltiges Entwicklungskonzept für die Lahn auch auf andere vergleichbare Bundeswasserstraßen übertragen werden kann.

Das Lahnkonzept verfolgt einen integrativen ganzheitlichen Ansatz, um die zahlreichen Belange und Nutzungsinteressen der Lahnanlieger zu erfassen und soweit wie möglich in die Bearbeitung zu integrieren. Unter Beteiligung aller Projektpartner und der interessierten Öffentlichkeit bietet das Konzept die Chance, die Unterhaltung der Lahn neu zu orientieren, den Fluss und die Region ökologisch und touristisch aufzuwerten, die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und weitere relevante Wirkungszusammenhänge zu berücksichtigen.

Die Erarbeitung des Konzeptes erfolgt ergebnisoffen und lösungsorientiert, d.h. es gibt keine vordefinierten Zukunftsvorstellungen für die künftige Nutzung der Lahn. Die Herausforderung liegt darin, nach Möglichkeit einen Interessenausgleich zwischen den konkurrierenden Nutzungen (Hochwasserschutz, Denkmalschutz, Naturschutz, Schifffahrt, Gewässerunterhaltung, Wirtschaftlichkeit, Wasserkraftnutzung, Tourismus, Landwirtschaft, Fischerei u.a.) herzustellen. Hierzu wird die Öffentlichkeit frühzeitig durch das WSA Koblenz in den Prozess eingebunden. Um Transparenz und Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen, werden regelmäßige Veröffentlichungen und bei Bedarf Arbeitsgruppen und Workshops mit relevanten Interessensvertretern sowie weiteren Beteiligten durchgeführt. Eine gesamtgesellschaftlich tragfähige Zukunftslösung für die Lahn wird nur zustande kommen, wenn alle Beteiligten und Interessensgruppen kompromissfähig und konstruktiv den Prozess begleiten. Die Einbindung der Öffentlichkeit wird als interaktiver Arbeitsprozess im Rahmen der Interessenerfassung im Jahre 2017 beginnen.

Die Erarbeitung des Lahnkonzeptes erfolgt über die gesamte Laufzeit des LIFE-Projektes (bis 2025). Ziel des Projektes ist die Verfassung einer "Lahn-Deklaration", die zum Ende des Projektes von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz sowie dem Bund unterzeichnet und der EU vorgelegt werden soll.

Einen zeitlichen und inhaltlichen Überblick über die einzelnen Bearbeitungsphasen des Lahnkonzeptes bietet die anliegende Grafik.

Ausblick und Zeitplanung zur Erstellung des Lahnkonzeptes (Quelle: WSA Koblenz)