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Gemeinsam für mehr Leben in Fluss und Aue

Mehr Lebensraum für bedrohte Arten

  • Marlene Höfner

Bauauftakt zur ökologischen Aufwertung der Lahn im Bereich der „Gisselberger Spannweite“

Gießen/Marburg-Gisselberg. Ein Hoffnungsschimmer für Kreuzkröte, Eisvogel und Co.: um neue Strukturen und vielfältigen Lebensraum für gefährdete Tierarten zu schaffen, wird zwischen Gisselberg, Ronhausen und Cappel auf einer Länge von rund 1,5 km tonnenweise Boden bewegt. Die Großbaustelle wurde am 07.08.2019 durch den Gießener Regierungspräsidenten Dr. Ullrich und dem Marburger Bürgermeister Wieland Stötzel offiziell eröffnet.

Das Kooperationsprojekt zwischen Regierungspräsidium Gießen und Stadt Marburg dient der ökologischen Verbesserung der Lahn und ihrer Aue südlich von Marburg. Verzweigungen und Aufweitungen des Flussschlauches, die Anlage von Kiesinseln und der Einbau von Totholz sorgen künftig für neue Strömungsverhältnisse und Strukturen im Gewässer selbst und der angrenzenden Aue. Später soll die Lahn sich ihren eigenen Weg suchen. „Eigendynamische Entwicklung“ heißt das in der Fachsprache.

Im Fluss selbst profitieren Fische, die im Lauf ihres Lebens ganz unterschiedliche Gewässerstrukturen benötigen: Neben einer guten Wasserqualität muss ihnen der Fluss auch Nahrung, Laichplätze und Schutz vor Freßfeinden bieten. In den Uferbereichen sollen sich vor allem Tierarten ansiedeln, deren Lebensraum durch die Änderung der klimatischen Verhältnisse bedroht sind. Dazu gehören z.B. selten gewordene Amphibien wie die Kreuzkröte, Watvogelarten wie Bekassine, Kiebitz oder Flussregenpfeifer. Außerdem finden so verschiedene Fledermausarten, wie die Kleine Bartfledermaus oder der Große Abendsegler bessere Lebensbedingungen. Für den Erhalt dieser „Klimaverlierer“ werden gezielte Maßnahmen, etwa die Gestaltung der Ufer- und Auenbereiche oder die Anlage von Flachwasserzonen und Kleingewässern beitragen.

Die Chancen dafür stehen gut, denn der betreffende Abschnitt der Lahn vernetzt die nahe liegenden Schutzgebiete „Auenverbund Lahn-Ohm“, das Vogelschutzgebiet „Lahntal zwischen Marburg und Gießen“ und das Naturschutzgebiet „Unterm Wolfsberg“. Dort sind die seltenen Arten zu finden. Die renaturierte „Gisselberger Spannweite“ hat daher als „Trittstein“ zur Vernetzung der wertvollen Lebensräume eine herausragende Bedeutung.

Die Mittel aus dem LIFE-Projekt „Living Lahn“ werden daher mit Geldern aus der hessischen Fischerei-Abgabe und aus dem Integrierten Klimaschutzplan 2025 auf insgesamt 1,8 Mio. Euro aufgestockt, um den größtmöglichen Effekt für die Pflanzen- und Tierwelt zu erreichen.  Die Stadt Marburg stellt die entsprechenden Flächen für die Bauarbeiten zur Verfügung und begleitet gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen die Bauarbeiten. „Wir freuen uns, durch die Umsetzung dieses Vorzeigeprojektes unserer mittelhessischen Heimat ein Stück Natur und Vielfalt zurückzugeben“, resümiert Regierungspräsident Dr. Ullrich beim Termin.

 


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