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Seltenen Tieren ganz nah

Informationsplattform wurde im Rahmen der 14. Hessischen Naturschutztage an die Öffentlichkeit übergeben

Gießen. Es ist ein Dilemma: Seltene Tiere machen sich rar, wenn der Mensch zu nah kommt. Und der Mensch wiederum möchte Tiere am liebsten aus nächster Nähe beobachten. Das Fernrohr - ein sogenanntes Graphoskop, wie man es von Aussichtspunkten kennt - macht das Begutachten von Flora und Fauna am Uferweg in der Gießener Weststadt unweit der Lahn möglich. Dort hatte die Stadt vor gut einem Jahrzehnt Aueflächen naturnah umgestaltet. Über 80 Vogelarten wurden hier seitdem gesichtet. Aus Fördermitteln des EU-LIFE-Projektes „Lila – Living Lahn“ ist nun eine Informations- und Beobachtungsplattform errichtet worden. Diese wurde im Rahmen der 14. Naturschutz-Erlebnistage von Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich der Öffentlichkeit übergeben.

Das Gebiet ist als Naherholungsraum am Rande der Stadt beliebt und stark frequentiert. „Durch die beschilderte Informations-Plattform mit dem Graphoskop wollen wir Interesse wecken und einen direkten Kontakt zu den Schutzgütern herstellen, ohne die Tiere auf den Flächen zu stören“, erläutert Regierungspräsident Ullrich. Diese liegt strategisch günstig. Unweit vom Männer-Bade-Verein entfernt befinden sich zwei Teiche und ein Flutrinnen-System – direkt an einem stark befahrenen Fahrradweg.

Das Graphoskop lädt regelrecht zum Absteigen und bei einer Wanderung zu einem Halt ein. Bei bestimmten Wasserständen werden diese Flächen durch ein regelrechtes Kanalsystem von der Lahn gespeist. Natürlicherweise kaum noch zu finden ist der wertvolle Lebensraum der sogenannten wechselfeuchten Aue. Um Landwirtschaft, Energiegewinnung, Bebauung und Schifffahrt zu ermöglichen, wurden viele Flüsse begradigt und staureguliert.

Die Flachwasserteiche am Uferweg werden als Ersatz-Aue von zahlreichen Tierarten als Futterquelle, Lebensraum, Rastplatz oder „Kinderstube“ genutzt. Zugvögel rasten oder brüten hier, darunter seltene und gefährdete Gäste wie Bekassine, Kiebitz und Bruchwasserläufer ebenso wie der Storch und der kleine Flussregenpfeifer. Auch Kröten und Frösche, Molche und Libellen sind in verschiedenen Arten zu finden. Lothar Goldhorn vom Gartenamt der Stadt Gießen berichtet, „Der Platz ist als Kombination von Erholungs- und Lernort besonders für die Bevölkerung vor Ort konzipiert. Den wenigsten Bürgern ist klar, welche Schätze sie quasi vor ihrer Haustüre haben“.

Genau darum geht es – nicht nur am Naturschutz-Erlebnistag: Das Graphoskop auf der Info-Plattform am Uferweg soll dazu beitragen, dass Augenmerk auf die Natur in der heimischen Umgebung zu richten. Für große und kleine Bürgerinnen und Bürger wurden bei der Veranstaltung das Flutrinnensystem naturnah erklärt und einzelne Tierarten interaktiv vorgestellt.


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